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Väterchen Frost und der erleuchtete Riese

Eine magische Lichtshow in den Swarovski Kristallwelten

Die Winter sind kalt im österreichischen Inntal, klirrend kalt. Doch für kreative Köpfe bietet ein eisiges Winterwunderland die perfekte Bühne für Magie. Zumal, wenn die Location „Der Garten des ­Riesen“ heißt und über ganz besondere Bedingungen verfügt. ­Dieser Garten ist in den Swarovski Kristallwelten in Wattens zu finden und er sollte in einer beachtlichen Lichtshow erstrahlen. Erdacht wurde das Ganze vom Künstlerkollektiv phase7 performing.arts; dahinter verbergen sich Björn Hermann (Björn Hermann lichtdesign) Sven Sören Beyer (Artistic Director), Frieder Weiss (Visual Art) und Christian ­Steinhäuser (Music Director). Ihr Konzept sollte die verschiedenen Stationen der Außenanlage der Swarovski Kristallwelten für ein Lichtfestival in eine mystische Welt aus Licht, Laserstrahlen und Klang tauchen. Die Highlights des Parks wie der legendäre Riese, der Spieleturm, die Kristallwolke oder der Wall wurden integriert und außergewöhnlich inszeniert. Die Produktionsleitung für das Projekt lag in den Händen von StudioNOW Berlin, für die technische Um­setzung fiel die Entscheidung auf satis&fy – was naheliegend ist, können wir doch bereits auf erfolgreiche Projekte mit dem öster­reichischen Schmuckhersteller zurückblicken. Obendrein war das Event, so schwebend und magisch es auch wirken mochte, alles ­andere als eine Leichtigkeit. Erfahrung, ein gut bestückter Materialpark und lange Wollunterwäsche taten Not.


Nachdem die passenden Scheinwerfertypen und anderes Material in einem Shootout mit Björn Hermann lichtdesign und phase7 ­performing.arts festgelegt wurden, ging es an die Planung. Alle ­installierte Technik musste für sechs Wochen witterungssicher ­gemacht werden. In diesem Fall bedeutet das: Außentemperaturen von bis zu Minus 25 Grad Celsius in der Nacht. Auch extreme Feuchtig­keit durch schmelzenden Schnee durfte Lampen und ­Technik nichts anhaben. Insgesamt über 570 verschiedene Scheinwerfer wurden auf einem vier Hektar großen Areal platziert – und das auf möglichst leisen Sohlen, ohne dass flanierende Besucher gestört wurden. Dabei wurde auch der Spieleturm bestückt – mit Rücksicht auf spielende Kinder zum Teil in der Nacht. Hier ­montierten wir teils in Klettermontur nicht nur 120 Astera-AX3-Lampen an der innenliegenden Architektur des Turms, sondern auch 20 Clay-Paky-Supersharpys, die vom Dach des Turms aus Kristall­strahlen in den Himmel malten, was eine Traversenkonstruktion in 20 Metern Höhe und einen Autokran erforderte.

Um im Turm und auf dem Gelände mit möglichst wenigen Kabel­wegen auszukommen, war die reibungslose Ansteuerung der 360 Wireless-DMX-Astera-Lampen wichtig. Dafür wurden ein flächen­deckendes WLAN-Netz und LumenRadio-Sender initialisiert. In ­dieser Größenordnung nicht ganz unkompliziert – für die ­satis&fy-
Spezialisten aber kein Problem. Grundsätzlich sorgten sechs ­Stationen für die Signalverteilung. Damit hier Väterchen Frost und Mütterchen Feuchtigkeit nichts Übles anrichten konnten, wurden sie durchgehend beheizt und wetterfest gemacht.


So schafften wir in zwölf Tagen Aufbau etwa 60 Tonnen Material auf das Gelände. Suchten Strompunkte mit Metalldetektoren unter hohem Schnee. Schoben 56 Spotlights (Clay-Paky-Mythos) von je circa 30kg einzeln mit Schlitten auf den 330m langen Hang. ­Wärmten steif gefrorene Kabel mit einem Heizlüfter wieder auf. ­Verankerten jeden einzelnen Scheinwerfer diebstahlsicher (die überaus dezenten, kabellosen AX3-Lightdrops sind kaum größer als ein Apfel). Liefen jeden Tag etwa 15 Kilometer. Erweiterten die be­stehende Beschallung durch zwei winterlich weiß verkleidete ­Beschallungstürme. Und installierten das Herzstück der Anlage, den Timecode-Rechner, auf dem das Soundfile abgespielt und alle ­Gewerke über einen Timecode exakt angesteuert wurden.


Allen Kniffligkeiten zum Trotz wurde das Lichtfestival genau so wunder­bar wie von Björn Hermann lichtdesign und phase7 ­performing.arts erdacht – mit einem frostigen, mystischen Riesen, der sich durch die Lichtschimmer zu bewegen schien, Kristallwolken in blau und rot, weißen Lichtspielen am Himmel und dem alles verbindenden Sound. Und während mindestens ein Servicetechniker während des Festivals immer vor Ort war, gewöhnte sich der Rest der Crew langsam wieder an das Tragen von nur drei Schichten Kleidung und an Getränke, die nicht auf kochendem Wasser basieren.
Nach der 120-Jahr-Feier von Swarovski im Jahr 2015, bei der die ­satis&fy-Crew mit Wetterbedingungen zu kämpfen hatte, die ­gegensätzlicher nicht hätten sein können (Wahnsinnshitze), können wir nun feststellen, dass wir alle Extreme gemeistert haben. Und, na klar – wir kommen gerne wieder!

Fotos: Sandra Sommerkamp

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