toggle menu

The Proliferation of the Sun

Berlin 2014

Otto Piene "The Proliferation of the Sun"

Für die Reinszenierung von Otto Pienes Großprojekt „The Proliferation of the Sun“ aus den 1960ern wurden über 1100 Glasdias, die bereits als Digitalisate vorlagen, in Filme umgewandelt.

Datum 24.10.2014
Services Audio Video
Museen & Kultur

Damals hatte der Künstler mit diesen handbemalten Dias die gerade erfundenen Diakarussells bestückt und sie in offene Räume von Galerien, Off-Spaces sowie Kellerkinos als farbig schillernde Kreisformen projiziert. Über 50 Jahre später wurde die Reihenfolge der Dias für die digitale Wiederaufführung mit Filmen, die über sieben Projektoren abgespielt wurden, exakt übernommen. Trotz Automatisierung erklangen dazu Pienes Tempo-Anweisungen an seine Projektionisten vom Tonband – und sein rhythmisch beschwörendes „The Sun“. 

Der Auftrag der Neuen Nationalgalerie Berlin, für Otto Pienes Ausstellungsprojekt die Ton- und Videotechnik sowie die Umwandlung von über 1100 digitalisierten Glasdias in Filme zu übernehmen, wird in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. „Nach sehr vielen erfolgreichen Unterstützungen großer Museen in Frankfurt sowie vieler Off-Projekte in der Hauptstadt handelt es sich dabei um unser erstes Projekt für ein großes Museum in Berlin – und dann gleich um solch ein Besonderes in Mies van der Rohes Ausstellungshalle am Kulturforum!“ Hier untertreibt Uwe Buhrdorf sogar ein wenig, denn „Proliferation of the Sun“ ist Teil des drei Teile umfassenden Großprojekts „Otto Piene. More Sky“, das gemeinsam von der Neuen Nationalgalerie und der Deutsche Bank KunstHalle veranstaltet wird.

Schon oft hat satis&fy aufwendige Events in Museen umgesetzt, jedoch nie konkret in einem Ausstellungskontext. Daher war Uwe Buhrdorf, Managing Director Berlin und Projektleiter, besonders angetan, als auf Empfehlung des CTM Festivals (ehemals club transmediale) die Neue Nationalgalerie anfragte. Als studiertem Künstler waren ihm neben den technischen Anforderungen an die hochsensible Groß-Projektion Inhalte und Umfeld vertraut. So war auch die enge Zusammenarbeit mit dem Künstler Otto Piene, dem Museumskurator Joachim Jäger und seiner Assistentin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin Babette Marie Werner kein Neuland. Das Ausmaß des Projekts – sowohl inhaltlich als auch buchstäblich – war überwältigend. 

Selbst für Piene war es die erste Ausstellung dieser Größenordnung. Bis zu seiner diesjährigen Hommage in Berlin hatte er als ein Künstler, der den Museumsraum überwinden wollte, seine Arbeiten eher in kleinen Galerien und in kleineren Off- und öffentlichen Locations gezeigt. Auch die jetzige Neuinszenierung der Dia-Arbeit von 1966/67, die von Mitte Juli bis Ende August 2014 jede Nacht von 22 bis 3 Uhr in der Neuen Nationalgalerie zu erleben war, hatte er 1967 zunächst für eine kleine Off-Bühne in New York konzipiert und im gleichen Jahr in Nürnberg, Köln und Dortmund gezeigt. Nach der Umwandlung der Digitalisate in Filme, der Präsentation auf Monitoren und zahlreichen Tests in der offenen Ausstellungshalle war der Künstler zufrieden. 

Die „poetische Raumfahrt“ (Otto Piene), ein psychedelischer Trip mit schrillen Farben, Formen und Geräuschen durch Zeit und Raum, konnte beginnen. Die faszinierten Besucher konnten sich frei durch die Rauminstallation bewegen. Sie konnten als Teil des Gesamtkunstwerks ihre Schatten auf den eingezogenen Projektionsflächen tanzen oder sich liegend, mit guten Drinks vom Pauly Saal, in die dunklen Weiten des imaginierten Weltraums ziehen lassen. Für satis&fy eine große Ehre, bei Pienes erstem Projekt von dieser Dimension hautnah dabei zu sein. 

Was hoffentlich der Anfang weiterer spannender Ausstellungsaufträge war, sollte aber zugleich das triumphale Ende einer einflussreichen Künstlerlaufbahn bedeuten. Noch zur Eröffnung am 16. Juli wurde Piene von tausenden Gästen als Visionär und Erneuerer der Kunst bejubelt. Einen Tag später verstarb er überraschend im Alter von 86 Jahren. Der Titel “The Proliferation of the Sun” bedeutet “Die Sonne kommt näher”.  Pienes Traum, beim geplanten „Sky Art Event“ in der Nacht des 19. Juli drei weiße Skulpturen über dem Dach der Nationalgalerie gen Himmel schweben zu lassen, wurde auf Wunsch seiner Familie realisiert. Die Strahlkraft wirkte weit über die Grenzen des Potsdamer Platzes – besonders in der Dunkelheit.

Museen & Kultur // Weitere Projekte

12.03.2014
4k Gebäude-Mapping
satis&fy AG
Zum Projekt
23.02.2008
Deutscher Opernball 2008
Opernball Veranstaltungs GmbH
Zum Projekt
30.06.2006
SkyArena 2006
Atelier Markgraph
Zum Projekt