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Himmelsmechanik - Eine Entortung

Vom 22. bis 26. August zeigte die Deutsche Oper Berlin in Kooperation mit dem Berliner Künstlernetzwerk phase7 performing.arts zur Eröffnung der Spielzeit 2013/2014 die begehbare Operninstallation „Himmelsmechanik – Eine Entortung“. Die satis&fy AG unterstützte die Produktion unter anderem mit Lichttechnik von Robe.

1965 komponierte Mauricio Kagel die „Himmelsmechanik“. 2013 wurde diese im Auftrag der Deutschen Oper Berlin von dem Künstlernetzwerk „phase7“ neu interpretiert und als Teil der Inszenierung im Foyer des Opernhauses aufgeführt. Einen anderen Teil der Inszenierung stellte die Neukomposition „Dass die Welt verrückt sein mag“ von Christian Steinhäuser dar, die das Kagelsche Leitmotiv der maroden Himmelsmechanik in die Realität des neuen Jahrtausends brachte. Für die technische Realisierung holte Lichtdesigner Björn Hermann, Mitglied des „phase7“-Kollektivs, satis&fy ins Boot.

Das Musiktheater, das die szenischen Anweisungen Kagels aus den 60er Jahren gemäß ihrer zeitlichen Verankerung weiterführte, zeigte die Vorstellung eines aus den Fugen geratenen Weltalls im realen 3D-Raum. Für die Besucher bot sich ein völlig neues Bild-Klang-Raumerlebnis in der Oper, die zum Gehen während der Aufführung einlud. Besucher, die sich an den vier Spieltagen durch das dreistöckige Foyer drängten, sollten mit Hilfe minimalistischer Musik, vereinzelt live agierender Librettisten, Wandkonstruktionen und wohl dosierter medialer Mittel die Bedrohung der nahenden Katastrophe am eigenen Leibe zu spüren bekommen.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Lichttechnik, die vor allem im unteren Foyer für Verwirrung bei den Besuchern der Oper sorgte. Hier wandelte man im “Labyrinth”, bestehend aus mit Leinwänden bespannten Holzrahmen und ausgestattet mit alten Fernsehern, die Ausschnitte von der heutigen “aus den Fugen geratenen Welt” zeigten. Untermalt mit Sprechgesängen der Darsteller, geschickt eingesetzten Lautsprechern und auf die Leinwand projizierten Störungen verschob sich die Wahrnehmung der Besucher und setzte den Orientierungssinn vorübergehend außer Kraft. Gehe ich gerade bergauf? Wo befinde ich mich? Was erwartet mich wohl in der nächsten Ecke? „Diese Verwirrung war durchaus gewollt und Teil der Inszenierung“, wie Lichtdesigner Björn Hermann erklärt. “Hier setzte ich auf einen simplen Effekt und verwendete einfache blaue Leuchtstoffröhren, die an den schräg aufgestellten Rahmen die Schieflage des Himmels darstellten”.

Die Lichtshow im “Labor”, dem finalen begehbaren Raum, realisierte er insbesondere mit Robe Pointe und Robe Robin LED Beam 100. Bereits im Vorfeld der Oper testete er viele verschiedene Scheinwerfertypen. Entschieden habe er sich dann für den Robin LED Beam 100. „Das Beamlight von Robe überzeugte im Test mit dem leisesten Motor. Bisher habe ich noch keine andere Lampe gesehen, die so geräuscharm arbeitet“, so Hermann. Und das war eine der Voraussetzungen für die Produktion, bei der es vor allem auch auf den rundumklingenden 3D-Sound – allein 80 Lautsprecher hingen im Parkett-Foyer über den Köpfen der Besucher – und die Sprachverständlichkeit ankam.

30 der LED Beams wurden dort in fünf Reihen à sechs Lampen verteilt. Hierdurch entstanden Lichtwände, die den Raum optisch in 4 Kammern teilten, um jeweils einen der auf Podesten stehenden Opernsänger in Szene zu setzen. Im Zusammenspiel mit gestochen scharfen Lichtstrukturen, deren Beams Björn Hermann mit Hilfe von Robe Pointe erzielte, wurde die Illusion erzeugt, sich im Inneren der Mechanik zu befinden, in dem die Forscher die “Verschwenkung des Himmels” in der “Weltverrückungsmaschine” aufzuhalten versuchten. Hierbei wurden die Lampen an seitlich aufgestellten Towern eng übereinander montiert. Bei Kagels Komposition im oberen Rang setzte der Lichtdesigner darüber hinaus die Scheinwerfer Robin DLS Profile und DLF Wash ein. Diese illuminierten zusätzlich zur Grundbeleuchtung eine Wasserleinwand.

Alles in allem ein “begehbares” Erlebnis der besonderen Art für das Publikum der Deutschen Oper Berlin.

Infos zum Projekt „Himmelsmechanik“:
Die Deutsche Oper Berlin eröffnet ihre Spielzeit 2013/2014 in Kooperation mit dem Berliner Künstlernetzwerk phase7 mit: HIMMELSMECHANIK – EINE ENTORTUNG
Der erste Teil der Inszenierung des Regisseurs Sven Sören Beyer (phase7) führt die Zuschauer in DIE HIMMELSMECHANIK, ein 8-minütiges Musiktheaterwerk des deutsch-argentinischen Komponisten Mauricio Kagel. Der Himmel dieser Komposition scheint aus den Fugen geraten: falsch gebogene Regenbögen, vom Blitz getroffene Halbmonde oder aufwärts stürzende Sterne bevölkern seine Partitur. Ausschließlich Schlagzeuger sind hier besetzt, als Instrumente spielen sie Donnerblech oder Windmaschine. Der Komponist sagte einst zu seinem phantastischen Werk, es sei ein „Himmel auf Krücken“ – ob das Universum wieder geheilt werden kann, ließ er offen.
Der zweite Teil des Abends ist eine Uraufführung: Die Neukomposition DASS DIE WELT VERRÜCKT SEIN MAG von Christian Steinhäuser transponiert das Kagel´sche Leitmotiv der maroden Himmelsmechanik in die Realität des neuen Jahrtausends. Als Grundlage diente der Komposition Steinhäusers ein Libretto der Berliner Schriftstellerin Christiane Neudecker. Inspiriert von den Forschungsergebnissen des Genfer Forschungszentrums CERN schickt das Libretto die Sänger und das Publikum auf die Suche nach der Entschlüsselung einer kryptischen Weltmechanik. Die mediale Verkündung einer „Verschwenkung des Himmels“ durch einen Nachrichtensprecher veranlasst darin vier Individuen, die Begradigung des Himmels selbst in Angriff zu nehmen. Die Inszenierung des Medienkünstlers und Regisseurs Sven Sören Beyer ver- und entortet reale und virtuelle Klänge mittels des 3D-Audio-Systems der Wellenfeldsynthese (WFS) im changierenden Lichtraum der begehbaren Medienskulptur. Innerhalb einer Architektur aus 80 Lautsprechern bewegt sich das Publikum im unteren Foyer der Deutschen Oper durch ein Netz aus virtuellen und realen Schallwellenfronten. Die Deutsche Oper Berlin und phase7 erschaffen so eine neue Schnittstelle von klassischem Musiktheater mit neuen Technologien und wissenschaftlicher Forschung.

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