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Interview

Die Werne-Identität

Lange hat der satis&fy Standort Werne eine Art Inseldasein geführt, und das nicht etwa aufgrund seiner Lage im west­fälischen Outback. Das unter anderem auf den Rock’n-Roll-­Zirkus fokussierte Geschäft hatte Werne eine gewisse Sonderstellung im Konzern eingeräumt. Dann kam die große satis&fy Strukturoptimierung, die alle Tochterunternehmen stärker in den Konzern integriert und das Geschäft insgesamt noch ­internationaler ausgerichtet hat. Werne erhielt die Einstufung „mature location“ und dementsprechend mit Anita ­Helmig und Jörn Busch eine Doppelspitze, die seit Oktober 2015 die Geschicke der Niederlassung in Westfalen lenkt. TRUE COLOURS traf die beiden am Rande eines Termin-­Marathons in Karben. 

Anita, Jörn, die Neuausrichtung hat sicher viel Veränderungen und neue Aufgaben für euch gebracht. Gleich die Frage: Schon angekommen in der neuen Position?
Anita: Der Schritt war für uns beide aus Sicht unserer beruflichen Entwicklung logisch, große Überraschungen gab es deshalb – ­zumindest bis jetzt – nicht.

Anita und Jörn, die NRW-Niederlassung wurde 2002, damals noch in Ascheberg, ins Leben gerufen. Ihr seid beide seit dem ersten Tag dabei. 
Anita: Ja, ich war für den Bereich Buchhaltung/Office verantwortlich, wo ich später Bereichsleiterin wurde. Mit dem Weggang von Andreas Drees habe ich dann zusammen mit Jörn zunächst ­kommissarisch die Geschäftsführung übernommen.

Wie war das bei dir, Jörn?
Jörn: Ich bin 2002 als Projektleiter von einem Wettbewerber zu ­satis&fy gekommen und wurde 2011 Bereichsleiter Projektleitung mit Konzernausrichtung.

Beide habt ihr also jede Menge Erfahrung im Gepäck. Wie sieht denn bei euch als Doppelspitze die Arbeitsteilung aus?
Jörn: Wir arbeiten wirklich eng zusammen, kennen kein Konkurrenzdenken, ergänzen uns gut. Im Tagesgeschäft kommt es ­naturgemäß häufig zu keiner echten Trennung der Aufgaben. Vor dem Hintergrund der vom Konzern ausgegebenen Zielsetzungen teilen wir allerdings strategisch gesehen die Aufgabenbereiche ­Business Development und Operativer Betrieb unter uns auf: Anita ist Operations Director mit Fokus Betrieb und ich Managing Director mit Fokus Business Development.

Apropos Zielsetzungen. Ihr habt zu einem Zeitpunkt die Chefsessel übernommen, da die Umsätze rückläufig sind. Wie geht’s weiter? Was ist der Plan?
Jörn: Zunächst ist es nicht weiter verwunderlich, wenn nach dem guten Jahr, das wir 2015 in Werne hatten, die Umsätze etwas niedriger ausfallen. Aber es stimmt, der Wettbewerb ist enorm. Der Markt ist übersättigt mit Live-Entertainment-Equipment, das sich im Moment aufgrund niedriger Zinsen billig anschaffen lässt, und es findet ein intensiver Preiskampf statt. Dem gegenüber stehen allerdings hohe Fixkosten, und wer die nicht im Auge behält, wird nicht lange durchhalten. Wir orientieren uns an der In­ves­ti­tions­rendite und sorgen damit für nachhaltigen Erfolg.

Und das reicht?
Anita: Natürlich nicht. Einer unserer Haupterwerbszweige ist seit über 15 Jahren das Live-Entertainment. In der Branche findet mehr und mehr ein Generationenwechsel statt und satis&fy hat schon vor geraumer Zeit begonnen, sich darauf einzustellen. Mehr noch: sich diese Entwicklung zunutze zu machen.

Das heißt?
Jörn: Wir leisten intensiv Nachwuchsarbeit, und das gleich an drei Stellen. Anstatt darauf zu warten, dass namhafte Acts zu uns kommen und Tourneeunterstützung anfragen, gehen wir nach draußen und schauen, was sich so tut und was es an vielversprechenden Talenten gibt. Das klappt ganz hervorragend, wie das von uns betreute Projekt WilhelmsRock zeigt. WilhelmsRock ist mittlerweile Hamburgs erste Adresse für Nachwuchsbands, die erstmals richtig professionell proben oder eine Tournee vorbereiten wollen. Da sind wir präsent, wir beobachten, unterstützen, stellen die Grundausstattung. Wir stellen die Räume, helfen mit dem Equipment, geben Ratschläge rein technischer Natur. Es gibt zwei Proberäume mit insgesamt 115 Quadratmetern, die optimale Bedingungen bieten, um mal unter realen Bedingungen die eigene Live-Performance auszutesten.

Gibt es namhafte Acts, die aus dieser „Entwicklungshilfe“ hervorgegangen sind? 
Anita: Einige. Zu unseren Gästen in Wilhelmsrock zählten Social ­Distortion, Jan Delay, Donots, Jupiter Jones, Roger Cicero, Stanfour, Klangkarussell, The Subways, von Brücken, Johannes Oerding, Tonbandgerät, Rakede, Ingo Pohlmann, Cäthe …

Und das Studio 20/20 in Werne?
Jörn: Das Studio 20/20 geht eine Stufe weiter, wenn man so will. Auf 400 Quadratmetern bieten wir in dieser schalldichten, akustisch „trockenen“ Halle ideale Probebedingungen im Bühnenmaßstab. Wer will, kann hier seine komplette Bühnenshow 1 : 1 aufbauen, alles durchtesten, die Show proben, Dinge ändern, optimieren und so weiter. Ganz nebenbei besteht Zugriff auf unseren kompletten Equipment-Pool, das heißt, hier kann nach Lust und Laune ausprobiert und weiterentwickelt werden. Das ist die zweite, die Vollprofi-Variante. Das Angebot richtet sich nicht nur an Bestandskunden, jeder kann das Studio 20/20 anmieten. Der WDR hat von hier schon Radio-Konzerte übertragen und einige Musikvideos wurden hier abgedreht. Auch Fotosessions können kreativ umgesetzt werden. Natürlich freuen wir uns, wenn wir in dem Zusammenhang unsere Kompetenz ins Spiel bringen können und sich daraus etwas Längerfristiges ergibt, aber das ist wie gesagt kein Muss. 

Anita: Das Studio 20/20 gibt es ja schon seit 2008, darum war jetzt eine Generalüberholung fällig, insbesondere im Backstage-Bereich, wohin sich die Künstler zwischendurch zurückziehen können, ganz so, als wären sie in einer großen Halle. Stichwort „große Halle“. Üblicherweise mieten Künstler den ersten Venue ihrer Tournee für mehrere Tage, um dort zu proben – also all das zu tun, was sie auch im Studio 20/20 könnten. Mit dem Unterschied, dass in Werne unser Technik-Warehouse und die ganzen Experten für Licht, Ton, Video usw. gleich nebenan sind. Keine Wartezeiten, keine Wege, jede Menge Alternativlösungen – alles da. Und noch ein Unterschied: Die Anmietung des Studio 20/20 belastet den Etat der Künstler deutlich weniger, als dies bei einer großen Live-Location der Fall ist. Drittens können wir auch in der Halle Fredenhagen in Offenbach ähnliches anbieten. Sie hat mit 3.000 Quadratmetern viel Platz, um Bühnenshows vorzubereiten, Abläufe zu proben oder Messestände vorab einmal aufzubauen.

Und wer hat sich schon im Studio 20/20 auf seine Live-Gigs vorbereitet?
Anita: Da wären zum Beispiel Fanta 4, Die Ärzte, Culcha Candela. Gerade eben erst war Cro zur Tour-Vorbereitung da, mit einer aus drei Etagen bestehenden Bühne für ein komplettes Orchester, dazu jede Menge Equipment und Personal.

Ist das eure allgemeine geschäftliche Orientierung im Bereich Live-Entertainment, der deutschsprachige Markt?
Anita: Nein, wir sehen uns ganz klar als internationalen Player, vor allem mit Blick auf die satis&fy Standorte in Europa und insbesondere USA, die von uns routinierte Unterstützung erhalten und Equipment beziehen. Wir bauen in Werne inzwischen Spezialanfertigungen für den amerikanischen Markt, die über den großen Teich geschifft werden.

Live-Entertainment gilt ja als euer Flaggschiff unter den angebotenen Dienstleistungen. Wo rangiert für Werne das „normale“ Event-Business? Ferner liefen? 
Jörn: Noch ein klares „Nein“. Auch hier werden wir das Geschäft ausbauen. Schon heute zählen große Industriekonzerne zu unseren geschätzten Kunden. Die global vertretenen satis&fy-Stand­orte leben das Prinzip der „atmenden Firma“ inzwischen sehr intensiv. Lokale Grenzen existieren nicht mehr, weil Material und Personal immer dort eingesetzt werden, wo Bedarf besteht. Das macht uns als Konzern extrem flexibel. Zum Glück haben wir an allen Standorten Teams, die diese Flexibilität mitmachen, ja sogar gerne leben. Jetzt macht sich unsere gute Personalauswahl der letzten Jahre bezahlt. Ein netter Beifang der atmenden Firma ist übrigens ein überdurchschnittlich hoher Know-how-Transfer, der bei Firmen mit klassischem Standortdenken nicht gegeben ist.

Anita: Unser Standort Werne im Münsterland hat mit 16.000m² Lagerfläche und aufgrund seiner zentralen Lage in Europa noch einen besonderen Vorteil. Viel verfügbare Lagerfläche zu bezahlbaren Preisen haben Werne gegenüber den Metropolen zu einem perfekten Logistikdrehkreuz gemacht. Des Weiteren können wir nicht gebuchte Zeiten im Studio 20/20 sehr attraktiv nutzen, um inhouse konzernweite Schulungen, Weiterbildungen, Workshops, Tagungen abzuhalten, ohne dass die Mitarbeiter lange Reisewege auf sich nehmen müssen.

Jörn: Wie man sieht: Werne hat noch einiges an Potential und das werden wir in den nächsten Jahren konsequent für den satis&fy Konzern nutzen.

Anita, Jörn, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. 

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