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Vorhang auf – und runter mit den Schuhen

Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen zu begrüßen. „Schön, dass du da bist!“, sagen die einen. „Setz dich doch!“, die anderen. Ljudmila Skidmore sagt: „Runter vom Teppich!“ 

Mit dem Bodenbelag an ihrem Arbeitsplatz in Werne ist die Schneiderin eigen – die Arbeitsschuhe der Kollegen haben darauf nichts verloren. „Das muss sein“, sagt sie bestimmt. „Hier arbeite ich schließlich mit den Stoffen.“ Ljudmila ist die ungekrönte Königin über alles, was bei satis&fy mit Stoffen zu tun hat. Sowohl die Herstellung und Konf ektion von passgenauen Textilien für Verkleidungen oder Vorhänge, als auch die Reinigung und Verwaltung der gebrauchten Stoffe sind ihr Metier. Von Werne aus macht sie so alle Standorte glücklich – gerade ist ein Auftrag aus Portland eingetroffen. 

Ihr Reich ist mit 20 auf 20 Meter so groß wie der Proberaum in Werne, und Ljudmila kennt jede Fluse im Raum mit Namen. Seit 15 Jahren fertigt sie hier Vorhänge; und wer ihr dabei zuhört, wie sie über ihren Job erzählt, weiß, wie es ist, wenn Mensch und Beruf zusammenpassen wie Schlüssel und Schloss. 

Dabei begann alles ganz anders. Die aus Kasachstan stammende Ljudmila lernte Kinderpflegerin und Erzieherin und liebte die Arbeit mit Kindern über alles – bis sie eines Tages eher zufällig an einer kleinen Nähmaschine einen Minirock nähte. Heute würde man den Zusatz „Mini“ für ihre Kreationen nicht unbedingt gebrauchen. „Ein Vorhang a 12 x 8 Quadratmeter, das ist ein gutes Format, mit dem ich gern arbeite“, sagt die 1,54 Meter große Schneiderin, die regelmäßig mit Stoffballen hantiert, die schwerer sind als sie selbst. Und wie um alles in der Welt reinigt man so eine Menge Stoff? „Mit der Hand natürlich“, sagt Ljudmila und wundert sich ein bisschen über die Frage. Denn fast alles, was sie tut, ist Handwerk. Das Entflusen der riesigen Stoffbahnen, die aus Brandschutzgründen nicht nass werden dürfen, das Einbringen der Ösen und überhaupt jede Naht. „Für einen aufwändigen Raffvorhang kann man mit 120 Stunden Arbeit rechnen. Aber das Ergebnis macht einen dann auch sehr stolz!“

Der Rest ist Kopfarbeit. Zum Beispiel die kreative Umsetzung eines gigantischen Totenkopflogos für „Die Ärzte“ – von einer CD-Cover großen Vorlage. Oder die richtige Berechnung von Stretchstoffen, eine knifflige Aufgabe. Oder die Überlegung, bei welchem der Lieferanten, die sie alle persönlich kennt, man das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt. Unter Umständen kann auch ein gebrauchter Vorhang das Passende sein. „Für ein Festival ist ja eine Top-Gala-Qualität gar nicht sinnvoll, deshalb reparieren wir alles, es kann noch mal eingesetzt werden, weggeworfen wird bei uns erst einmal nichts“, sagt Ljudmila, die immer genau weiß, was sie auf Lager hat. Jede Palette fände sie blind, ob Molton, Nessel oder Samt. „Der sieht natürlich immer toll und edel aus“, findet sie und fügt streng hinzu: „Wenn man ihn richtig behandelt.“ Als wäre ein Samtvorhang ein traumatisiertes Hündchen, das größter Liebe bedarf.

Aber so klingt es eben, wenn jemand seinen Job als Berufung versteht und über sein Arbeitsgerät spricht wie andere über ihr Traumauto. „Die schönste und beste Nähmaschine der Welt“ gehört ihr selbst. Ljudmila gehört seit fast 15 Jahren zum satis&fy Team. An satis&fy mag sie besonders die Vielfalt der Herausforderungen. Der sie t äglich bestens gerüstet entgegensieht: „Mich kann man nicht überraschen!“

Photos: Ingo Haverich

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