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Ey yo – und alles beginnt sich zu drehen!

Die Bühne im Probenraum 20/20 steht. Sie ist quasi der Prototyp für eine Tournee durch halb Mitteleuropa. Den außergewöhnlichen Aufbau hat satis&fy-Projektleiterin Joanna Schmidt mit ihrem Team im Auftrag von CUE Design, verantwortlich für Set- und Lichtdesign, ­angefertigt. Ein Setting, das einem der erfolgreichsten deutschen Künstler auf den Leib geschneidert wurde: Cro. 

1989 startete MTV unplugged eine TV-Live-Performance-Reihe, in der – ohne elektronisch verstärkte Instrumente – Songs vor kleinem Publikum präsentiert werden. 2015 nahm Cro als jüngster Künstler überhaupt ein MTV-Unplugged-Album auf und reihte sich in die edle Reihe der MTV-Unplugged-Konzerte ein. Sein unelektrifizierter Auftritt in Ludwigsburg war so erfolgreich, dass sich Cros Management entschloss, unter dem Titel MTV Unplugged Open Air Tour eine Tournee zu starten. Mit dabei das im Werner Studio 20/20 vorinstallierte Bühnenkonzept. Gunther Hecker, Chef von CUE Design, überzeugte den Rapper und seine Konzertagentur Chimperator Live aus Stuttgart vom Set-Style, satis&fy setze es um. Der Künstler ganz nah am Publikum, die Orchestermitglieder verteilt auf drei ­Stockwerken um ihn herum, eine Stimmung wie in einem ­Shakespeare-Theater. Ideal: Cro und seine Musiker konnten ­tagelang in diesem Setting fast in Live-Atmosphäre üben – abseits von Mainstream, Medien, Fans. 

Jedes Detail der Proben unterwarf sich technisch und optisch dem Auftrittskonzept: Der Musiker als Mittelpunkt, nicht (wie sonst oft üblich) die Show. Als Hintergrund ein wohldosiertes Gegenlicht. ­Hecker erzeugte es mit Hilfe einer insgesamt 54m2 großen, ­semitransparenten LED-Fläche (Mirage von Clay Paky) als Bühnenrückwand. Das Unplugged-Ensemble gruppierte sich auf drei je 1,6m hohen und 13,65m breiten Stufen im Halbrund um Cro. So blieb, ob als Schattenriss oder im Rampenlicht, jeder Akteur immer präsent und war je nach Bedarf Teil der Band oder Solist. „Ey yo“, singt Cro, „und alles beginnt sich zu drehen“, sogar das Piano: ­Mitten in der Show drehte sich ein mit einem E-Klavier bestücktes Flip-Podest aus einem ins Publikum ragenden Catwalk heraus. Der König des „Raop“ nahm Platz und sang solo von Liebe, Sex, ­Reichtum, Einsamkeit und Glück. 

In Bad Segeberg hoben Joanna und Team das Setting 1:1 auf die erste von 23 Open-Air-Tourneebühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Visuelles Tour-Highlight: ein überdimensionales Fenstergitter, das mitten im Bühnenraum je nach Perspektive, Durch- und Einblick schuf. Die „Gold Grids“, mit Goldfolie ummantelte Metall­streben, funkelten im Scheinwerferlicht. Das von Scenic ­Services gebaute Designelement (9,3m x 4,5m x 6m) schwebte an sechs Hängepunkten mitten im Bühnenhaus und flog mit Hilfe von C1-Kettenzügen (Cyberhoist) quer über die Darsteller. Rechts und links der Konstruktion rahmten zwei 7,5m x 4,5m große, ebenfalls mit Fenstergitter verkleidete LED-Wände die Band ein (Video-­Inhalte: Haegar). 

Die Traversen, die rollbaren Litedeck-Bühnen­boden, der Medienserver, die SD-Kamera, die Movinglights (u.a. Platinum FLX von Elation), die Straßenlaterne im Vintage-Style (12 x Robe Patt 2013 auf Edelstahlstativ), der Ton (FOH, Monitoring, Mikrofonierung, Funkgeräte etc.), die Backline, die Kameras, der ­Medienserver, das Licht, die King-Schienen, die Backdrops (Fotohintergründe) – 40t Material, das über Monate Tag für Tag als dreistöckiges Musiktheater auf- und abgebaut, in vier Trailer ein- und umgeladen wurde. Ey yo!

 

Photos Studio 20/20: Markus Simaitis
Photos Live: Jonas Janczyk

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