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Interview –
satis&fy do Brasil

Wenn man einmal die ganzen Klischees und Mythen vergisst, die sich um Brasilien ranken, bleibt immer noch etliches zu ­berichten, das schillernd und faszinierend ist. Da wären zum Beispiel die Aktivitäten von satis&fy in Form der unlängst ­gegründeten Tochtergesellschaft satis&fy Producoes Ltda. TRUE COLOURS hat bei den Schlüsselfiguren nachgefragt, wie es so läuft im vielversprechenden und spannenden Markt ­Brasilien. Ein Interview um die halbe Welt mit Matthias Prill, Managing Director satis&fy Producoes Ltda. in São Paulo, Dirk Vennemann (Venne), satis&fy Konzernvorstand (dauernd ­unterwegs,) und Ana Areia, Projektleiterin und Koordinatorin für satis&fy Producoes Ltda. und aktuell in Portland, Oregon.

Eine Niederlassung in Brasilien eröffnen?
Wie muss man sich
das vorstellen – kurz hinfliegen, Räumlichkeiten anmieten,
Firma gründen, Leute einstellen und los geht’s – oder wie war das?

Venne: Das wäre natürlich toll, wenn das so ginge. Das Land und der Markt funktionieren anders als bei uns, das muss man wissen, um hier Fuß zu fassen. satis&fy will schon seit längerem für seine Kunden in Brasilien präsent und umfassend einsetzbar sein – spätestens seit wir den Auftrag erhielten, die aufwändigen Rahmenbedingungen für die fulminante Vorstellung eines neuen Fußballstiefels in Rio zu realisieren. Das war 2013, wir sind ziemlich euphorisch angereist, gut vorbereitet wie immer, aber es wurde dann für uns sehr ernüchternd, und nur dank lokaler Unterstützung haben wir das Projekt termin­gerecht hinbekommen. Wichtigste Erkenntnis: Als ausländische ­Firma kann man nichts ohne brasilianische Mittelsmänner machen, die auch entsprechend bezahlt werden wollen. Ab da war klar: Wir brauchen eine eigene Firma „da unten“. 

Dann kam die Fußball-WM, da wart ihr auch involviert …

Venne: Genau, da haben wir erste Erfahrungen als satis&fy ­Producoes Ltda. gesammelt. Wir waren mit kleineren Projekten präsent, haben weiter dazugelernt und unsere Kontakte ausgebaut. Je mehr wir vor Ort gemacht haben, desto besser kamen wir zurecht mit unseren ­lokalen Partnern – und die mit uns. Insgesamt hat der Gründungs­prozess zwei Jahre gedauert, der Geschäftssitz ist São Paulo mit einer Außenstelle in Rio de Janeiro. Jetzt sind wir perfekt aufgestellt und haben alle Möglichkeiten, den Ansprüchen unserer Kunden in ­gewohnt hoher Qualität gerecht zu werden. 

Die satis&fy Verwandtschaft hat dazu beigetragen, dass ihr der perfekte Partner
für Kunden aus Europa und Amerika seid, die dort Events veranstalten wollen?

Venne: In der Tat, einer unserer langjährigen Mitarbeiter hat einen Verwandten, ebenfalls aus der Veranstaltungsbranche, der sich wie kein anderer mit den dortigen Verhältnissen auskennt.

Damit zu dir, Matthias. Erzähl mal, wie fing alles an, wie kamst du nach Brasilien? 

Matthias: Ich wohne seit 1988 in São Paulo und bin mit einer Brasilia­nerin verheiratet. Ich kam als Konzert- und Tourmanager im Gefolge verschiedener international erfolgreicher Rock’n’Roll-Bands hierher. Dann meldete sich eines Tages mein Cousin Sebastian Hofeditz bei mir. Er ist schon lange bei satis&fy und er erzählte mir, dass man ­jemanden sucht, der sich mit den geschäftlichen Gepflogenheiten in Brasilien auskennt und eine eigenständige Firma nach brasilianischem Recht aufbaut. Ich kann einiges an Erfahrung vorweisen und so ­wurde ich kurzerhand Geschäftsführer satis&fy Producoes Ltda. 

Seit April 2014 seid ihr offiziell in São Paulo als Firma eingetragen. Warum nicht Rio?

Matthias: Im Vergleich zu Rio ist São Paulo eindeutig das geschäftsfreundlichere Pflaster. Man findet hier wesentlich mehr Firmen, die zuverlässig arbeiten und gute Qualität abliefern. 

Wie seid ihr jetzt personell aufgestellt?

Matthias: Wir beschäftigen mittlerweile viele lokale Mitarbeiter, das funktioniert einfach besser, dazu einige Leute, die Schnittstellen­funktion haben. Und wir haben etliche lokale Partner und Zulieferer. Was noch fehlt, sind eigene Produktionsstätten vor Ort für Spezial­anfertigungen, Deko und dergleichen. Aber auch daran arbeiten wir.

Wie sieht eure Strategie für den brasilianischen Markt aus? 

Matthias: Mit der gewohnten satis&fy Produktionsqualität, Kundenbetreuung und effektiven Projektabwicklung wollen wir uns einen Namen machen und uns weltweit bei potenziellen Kunden als kompe­tenter Ansprechpartner für Veranstaltungen in Brasilien empfehlen. Darum ­haben wir unser Team vor kurzem mit diversen fähigen Leuten aus der lokalen Produktionsszene aufgestockt. Vor allem aber sind wir extrem flexibel aufgestellt, wir können jederzeit und sofort reagieren, ganz nach Lage der Dinge und den Wünschen der Kunden.

Und jetzt die Olympischen Spiele – seid ihr bereit?
Was liegt an Projekten an? Noch Kapazitäten frei?

Matthias: Ganz allgemein sind wir 2016 bereits mit mehreren Projekten, unter anderem einem sehr großen, nahezu ausgelastet. Aber wie ich schon gesagt habe, wir können satis&fy Producoes Ltda. jederzeit spontan ausbauen, wenn dies erforderlich sein sollte.

Wie muss man sich als Kunde die Zusammenarbeit mit dem Team von
satis&fy Producoes Ltda. vorstellen?

Matthias: Zur Optimierung von Kommunikation und Abläufen haben wir Mitarbeiter, die von hier stammen. Nicht nur wegen der Sprache, sondern auch, weil sie sich mit den hiesigen Gewohnheiten aus­kennen. Brasilien ist ein modernes Land, aber auf einem anderen Kontinent, hier laufen die Dinge anders als bei uns. Mit unserer Art und Denkweise kann man hier kaum punkten. Als Mittler zwischen diesen beiden Welten haben wir Leute wie Ana, die dafür sorgen, dass die Projekte reibungslos laufen.

Ana, erzähl doch mal, wie du in diese Konstellation hineinpasst,
was hat dich zu satis&fy gebracht?

Ana: Geboren bin ich in Brasilien, habe aber in Kalifornien eine ­Schule für Marketing-Kommunikation besucht – und dort auch ­meinen späteren Ehemann getroffen. Zunächst habe ich selbst­ständig in São Paulo gearbeitet, bin aber viel gependelt und habe dann irgendwann Maika Janat von satis&fy LLC in Portland kennengelernt. Seit Anfang 2015 arbeite ich fest für satis&fy. Das ist für mich ideal, ich bin Teil der Kulturen, die mich besonders inspirieren. Ich arbeite mit Deutschen mit ihren makellosen Designideen und der hochprofessionellen ­Arbeitsauffassung, mit Amerikanern, die von ­innovativem Denken und der Welt des Entertainments geprägt sind, und mit Brasilianern, die mich mit ihrer Kreativität und mit Improvisationsvermögen beeindrucken.

Das heißt also, du kennst „alle Seiten“, nicht nur die -Sprachen,
sondern auch die kulturellen Unterschiede …

Ana: Auf jeden Fall, und das ist wichtig, da wir vor Ort sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Partnern mit Locals arbeiten.
Ich bin in der Lage, „alle Seiten“ zu sehen und dazwischen zu ­vermitteln, sodass es am Ende für alle passt und zum gewünschten Resultat kommt. 

Du bist bei satis&fy Producoes Ltda. projektverantwortlich, arbeitest aber von Portland aus.
Wie passt das zusammen?

Ana: Sehr gut, wenigstens im Moment. Die meisten Aufträge für uns kommen aktuell über die LLC, ich bin hier sozusagen „the face to the customer“, die Brücke zwischen den Kunden und dem Team in ­Brasilien, ich gleiche Zeitzonen und Denk- und Arbeitsweisen aus. 

Und das klappt?

Ana: Sehr gut sogar. Im Grunde ist es wie Arbeiten mit verschiedenen technischen Standards. Auf der einen Seite braucht man mehr ­Toleranzen, auf der anderen müssen andere Maßstäbe angelegt ­werden. Ich weiß, wie man so etwas zuverlässig überträgt und kalkuliere das bei meinen Arbeitsanweisungen ein. Mein großer Vorteil: Ich weiß, wie man mit den Menschen hier und in Europa umgeht, und ich kenne die Brasilianer.

Worin liegen aus deiner Sicht als Brasilianerin die Unterschiede?

Ana: In wenigen Worten? Schwierig. Wir leben in einem tropischen Land und müssen weder an Schneestürme noch an Erdbeben ­denken. Das ist wohl mit ein Grund, warum Planen nicht so unser Ding ist. Beim Karneval andererseits erlebt man Einsatz, Perfektion, Improvisationsvermögen bei Materialien, Leidenschaft für das, was man ­erreichen will. Meine Klimatheorie stimmt also nicht so ganz. Sicher ist es manchmal schwierig, echte Profis zu finden, aber wenn die Begeisterung für den Job da ist, sieht das ganz anders aus. Damit muss man richtig umgehen und dann sind Brasilianer großartige Partner, mit denen es Spaß macht zu arbeiten. 

Wie könnte man die Zusammenarbeit aus Sicht von satis&fy beschreiben?

Matthias: Als Geben und Nehmen, und damit meine ich weniger ­Leistung und Gegenleistung, wir lernen voneinander: Die Brasilianer lernen von uns, zum Beispiel was Design und die eine oder andere technische Neuerung angeht. Wir lernen von ihnen, wenn es um ­Kreativität beim Sourcing oder ums Improvisieren geht. 

Danke, dass ihr euch die Zeit für diesen spannenden und interessanten Austausch genommen habt.

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