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Mit Nike im Kreativ-Camp

Es sind oft genau die Ideen, die man im Normalfall verwerfen würde, weil sie ganz einfach unrealistisch sind. Sie erscheinen zu verrückt, physikalisch, finanziell und zeitlich nicht machbar. Trotzdem: Unversehens geschieht es – eine überdimensionale, rote, luftgepolsterte Nike-Air-Max-Turnschuhsohle sprengt mit voller Wucht die gekachelte Wand einer S-Bahn-Passage in Tausend Teile. Der zufällig am Geschehen vorbeieilende Passant glaubt nicht, was er gerade sieht, schaut deshalb noch einmal hin. Weil: Es gibt normalerweise keine mehrere Meter langen Schuhsohlen, die aus Wänden brechen. Außer man tut es.

Björn Kowalzig und sein Team haben es getan: „Klar war die Anfangsidee unseres Kunden Nike, in einem öffentlichem U-Bahn-Fußgängertunnel am Alexanderplatz eine riesige Schuhsohle einzumauern, im ersten Moment unrealistisch“, lacht satis&fy-Projektleiter Björn, „mal abgesehen vom behördlichen Aufwand.“ Denn der Berliner Verkehrsverbund ist sicher einiges gewohnt, aber der Wand einer U-Bahn-Unterführung per Riesenturnschuh einen derartigen Tritt zu verpassen, dass die Kacheln fliegen und die Wände bröckeln, das grenzte auch im Alles-ist-Möglich-Berlin-Underground an Randale. Die organisierte Mut- und Phantasielosigkeit des Behördenalltags ist jedoch Björns Sache nicht. Statt eine absurde Idee konsequent zu verwerfen, dachten er und die Kollegen aus der Produktionsabteilung sie zu Ende! Und das zusammen mit dem Kunden. Björn: „Schnell sind wir zum Ergebnis gekommen, dass wir den Durchbruch der Schuhsohle durch die Wand nicht real umsetzen können. Deshalb wollten wir ihn ganz einfach simulieren.“ Die bevorstehende Präsentation des neuen Nike-Schuhs Air-Max am Air- Max-Day drängte. Zeit genug für eine Umsetzung war also, wie so oft, keine. Allen war klar: Die Ideenfindung und die praktische Umsetzung mussten räumlich und zeitlich extrem verdichtet werden. Björn: „Deshalb haben wir die Nike-Designerin einfach nach Karben eingeladen und ihr angeboten, sich in einem unserer Konferenzräume ein improvisiertes Büro einzurichten.“ Hier konnte sie ihren Arbeitsalltag organisieren und war trotzdem ganz nah dran am Gestaltungsprozess. Und die Kommunikations- und Arbeitswege verkürzten sich extrem.

So konnte die Kreativ-Crew in den Räumen der Karbener Dekoabteilung absolut kundennah experimentieren, während eines Probeaufbaus bauen, gestalten, verwerfen, neu ausprobieren, finalisieren. Ergebnis: Statt eine Wand im Berliner U-Bahn-Tunnelsystem zu verschandeln, sollte eine Illusion das Realbild eins zu eins ersetzen. Die Idee: Durch eine Art künstlerisch gestalteten Wandvorbau die Illusion von Tiefe erzeugen. „Für einen realistischen Look hätten wir die original Fliesen verwenden müssen. Die gab es nicht zu kaufen. Also haben wir die echten Fliesen abfotografiert, digital ausgedruckt, ausgeschnitten und auf Forexplatten aufgeklebt, fertig!“ Einige der Fliesen (Marke: Nachbau) wurden dann künstlich gebrochen und mit Fugenmasse rund um die überdimensionierten, aus Plexiglas geformten Air-Max-Turnschuhsohlen-Luftkissen verklebt. Diesen Wand-Fake haben die satis&fy-Bastler (Produktionsbüro/Werbegestaltung, Büro Berlin) vor die reale Wand geschoben und in die bestehende Mauer eingepasst. Um das Set dreidimensional erscheinen zu lassen, verteilten sie echten Bauschutt auf dem Boden vor der schrillen Werbe-Installation. Was bereits beim Probeaufbau überzeugte, gelang später auch am Originalset vor Ort. Die rote Schuhsohle explodierte regelrecht durch die gekachelte U-Bahn-Wand hindurch – Ergebnis einer bisher ganz und gar unüblichen Auftraggeber-Koop mit satis&fy. Björn: „Für unseren Klienten war das Kreativ-Camp in Karben eine ganz neue Erfahrung.“ Das Angebot steht übrigens auch für alle andere Kunden!

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